Der elektronische Zettelkasten von Daniel Lüdecke

Elektronische Zettelkästen sind wichtige Hilfen für kreative und wissenschaftliche Berufe. Einer der Besten von ihnen ist kostenlos.

Wenn einem mal wieder der Schreibtisch überquillt vor lauter Ideen oder der Schreibtisch seit Tagen leer gefegt ist, obwohl man sich hätte längst an die Arbeit machen müssen, dem hilft ein Zettelkasten.

Niklas Luhmann als Vorbild

Daniel Lüdecke hat einen Zettelkasten in Java programmiert, der dem Zettelkasten von Niklas Luhmann nachempfunden ist. Luhmann ist einer der wichtigsten Soziologen des letzten Jahrhunderts. Über 40 Jahre hinweg hat er nach einem bestimmten System Zettel gesammelt und miteinander vernetzt. Natürlich hat er das ganze noch mit richtigem Papier und richtigen Stiften gemacht. Irgendwann, so konstatierte Luhmann, habe sein Zettelkasten angefangen, von alleine Ideen zu produzieren.

Ganz so kann es allerdings nicht sein, da Luhmanns Schriften streng durchgeformt sind. Jedenfalls scheint ihn sein Zettelkasten zu der enormen Produktivität verholfen zu haben, die es fast unmöglich macht, sein gesamtes Werk zu kennen.

Zettel, Stichwort und Netzwerk

Lüdecke hat sich vor langer Zeit bereits an die Programmierung eines ähnlichen elektronischen Zettelkasten gemacht. Die erste Version war noch recht schlicht. Sie hat zwar funktioniert, aber viele Funktionen fehlten noch. Heute ist dieser Zettelkasten wesentlich komfortabler. Das Kernstück jedoch ist geblieben. Es gibt einen Zettel mit Überschrift und dazugehörige Stichwörter.

Anders als in vielen anderen Zettelkästen werden die Zettel nicht über Kategorien verlinkt, sondern über die Stichwörter. Diese funktionieren zwar wie Kategorien. Doch ein Zettel kann so gleichzeitig zu vielen verschiedenen Stichwörtern gehören. Dadurch bildet sich ein Netzwerk, das gegenüber auf Kategorien aufgebauten Zettelkästen einen wesentlichen Vorteil hat. Da es nicht hierarchisch geordnet ist, bilden sich Verbindungswege aus, die der Benutzer des Zettelkastens nicht bedacht hat.

Kreativität

Durch die vielfältige Verknüpfung entsteht ein Netzwerk, das sozusagen eine eingebaute Kreativitätsfunktion hat. Der Benutzer erfindet und entdeckt neue Möglichkeiten, indem er immer weiter Zettel einfügt. Alles andere passiert von alleine.

Weitere Funktionen: Literaturangaben, Cluster, Suchen

Der Zettelkasten wurde als Hilfsmittel zum wissenschaftlichen Arbeiten entworfen. Deshalb hat er ein gesondertes Feld für Literaturangaben. Auch wenn man nicht wissenschaftlich arbeiten möchte, lohnt es sich, dieses Feld gewissenhaft auszufüllen. Sehr rasch verliert man nämlich den Überblick, wo man ein Zitat oder eine Idee gefunden hat.

Zusätzlich zu der Verknüpfung über Stichwörter kann man auch Zettel über ein Cluster anordnen. Dies geschieht über die Angabe von Nachfolgezetteln. Dadurch entsteht zwar kein echtes Cluster, aber, wenn man es denn will, ein umfangreicher Strukturbaum.

Ganz besonders wichtig ist die Suchen-Funktion. Diese ist komfortabel. Erklären muss man sie allerdings nicht, da sie sich von anderen Programmen kaum unterscheidet.

Der Arbeitsplatz: Hilfe für den Fachartikel

Das wichtigste und beste Instrument allerdings ist der Arbeitsplatz. Hier hat man die Möglichkeit, beliebig viele Zettel abzulegen, in Kategorien anzuordnen und in eine gute Abfolge zu bringen. Hat man zum Beispiel zum Thema Rhetorik von deutschen Spitzenpolitikern eine ganze Reihe von Zetteln mit unterschiedlichen Aspekten gesammelt, kann man diese im Arbeitsplatz ablegen, bearbeiten und - ohne viel Aufwand - zu einem Aufsatz oder sogar zu einem ganzen Buch umwandeln.

Exportieren

Es ist jederzeit möglich, eine Reihe von Zetteln, die man über die Suchfunktion gefunden hat, oder Zettel eines Arbeitsplatzes oder anders ausgewählte Zettel zu exportieren. Hier hat man eine Reihe von Möglichkeiten. Die wichtigste ist der Export ins *.rtf-Format. Das ist sehr sinnvoll, denn jetzt kann man einen Artikel oder ein Buch über OpenOffice oder ein anderes Textverarbeitungsprogramm formatieren.

Eines kann der Zettelkasten nämlich nicht: druckfertige Dokumente ausgeben. Sein Programmierer, Daniel Lüdecke, arbeitet nicht professionell an diesem Zettelkasten. Da dieser trotzdem ein hochwertiges Produkt und eine wertvolle Hilfe ist, mag man hier die eigene oder andere fehlende Funktion nachsehen. Dafür ist das ganze Programm kostenlos und wird regelmäßig erweitert.

Fazit

Der Zettelkasten ist ein tolles Programm, das durch viele gut durchdachte Funktionen punkten kann. Im Unterschied zu den meisten professionellen Zettelkästen bietet er die Möglichkeit, kreative Netzwerke aufzubauen. Spätestens das sollte jeden (semi-)professionellen Autoren locken.

Frederik Weitz, Frederik Weitz

Frederik Weitz - "Ich denke gern." hat der französische Philosoph Michel Foucault mal gesagt. Das ist zwar nicht mein einziges Lebensmotto, aber ...

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